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Wirkstoff versus Pflege

Hui, also es gibt ja wirklich Leute, die verkaufen dir alles! Respekt, der Kundin 3 Seren übereinander auf die Haut zu klatschen und trotzdem ist sie unglücklich. Kein Wunder, die Haut sieht unruhig aus, spannt trotzdem und glänzt unnatürlich.

Liebe KollegInnen, das geht nicht. Ihr könnt doch die Frau nicht so rumlaufen lassen, ganz ohne Pflege. Auch wenn sie dann zum krönenden Abschluß des ganzen Wahnsinns noch ein bisschen Kaviarcreme in ihr Make-up mischt...

Ich wäre angesichts dieser mutigen Mixtur fast umgefallen. Sich einander nicht ergänzende, sondern teils sich wiederholende Wirkstoffe in verschiedenen Seren so gnadenlos übereinander zu pappen überfordert die Haut. Zudem jedes der einzelnen Produkte zusätzlich mit Silikonen arbeitet. Und dann klagt die Kundin, dass alles abrubbelt, das Make-up nicht hält und sie hätte gern noch irgendein Serum, dass das alles korrigiert. Nach 10 Minuten Erklärung hatte sie verstanden, dass sie trotz all ihren Produkten keinerlei Pflege auf dem Gesicht hat. Dass ein Serum zwar wirkt, aber nicht schützt und dass der schöne Lichtschutzfaktor in ihrem Make-up Makulatur wird, wenn sie die Creme druntermischt. Aber wie jetzt die Gute von ihrem Hyper-Serumwahn abbringen? Ohne die Kollegen der Konkurrenz in die Pfanne zu hauen? Die wohl einfach nicht die Geduld hatten, der Dame zu erklären, dass das, was sie möchte, nun mal nicht so einfach ist.

Also habe ich ihr einen Plan entworfen, wie sie all ihre Produkte nach und nach aufbrauchen kann und habe sie überzeugt, dass eine Creme nicht schadet. Die Damen, es ist nämlich so, dass sie ALLES bekommen von der freundlichen Parfümeriefachkraft. Und wenn sie Glätten, Straffen, Festigen wollen, dann gibt es in der Tat für all das jeweils ein Serum. Aber genauso wichtig ist es, der Haut Pflegestofffe zuzuführen. Auch wenn sich die Produkte dank der darin enthaltenen Filler und Silikone schmusig weich auf der Haut anfühlen, sie enthalten ausser Hyaluronsäure nichts wirklich Durchfeuchtendes, kaum pflegende Öle, die die Hautoberfläche versorgen und den natürlichen Schutzfilm unterstützen, wiederaufbauen und nähren können. Dazu braucht es einfach Sheabutter, Ceramide, ein paar natürliche Öle oder Jojobawachs. Auch die Seren brauchen ein bisschen was oben drauf, zumindest einen Sonnenfilter, sonst können sie nicht in Ruhe arbeiten. Gerade bei den hochwirkstoffhaltigen Doktorbrands dringen Seren tief ein und haben deswegen auch eine ergänzende Pflege im Sortiment.

In der Naturkosmetik sitzen die Wirkstoffe in ausgesuchten pflanzlichen Extrakten und Ölen, da geht so ein Serum bei einer öligen Haut auch schon mal allein. Da ist alles ganzheitlich angelegt und man hat nicht nur isolierte Einzelwirkstoffe, die ergänzt werden müssen. Ähnlich wie bei Vitamintabletten, bei denen in den hochkonzentriert künstlichen auch die Wirkstoffe aus der Natur fehlen, wie z.B. Flavonoide, die aber für die Funktion wichtiger sein können als eine immer höhere Dosierung. Irgendwann kann der Körper das Überangebot nicht mehr nutzen, genau wie die Haut. Bei der fraglichen Kundin konnte ich Anzeichen einer beginnenden Dermatitis erkennen, die sogenannte Stewardessenkrankeheit, die durch ständiges Schmieren und ein Zuviel an Wässerchen, Seren, Peelings, Kuren usw. entsteht. Manchmal ist die Haut mit weniger einfach viel schöner!

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