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Seife für alles

Wenn man meinen Blog so anschaut wird klar, dass ich eine große Liebe zu Seifen habe. Und in den letzten Jahren hat das Thema Nachhaltigkeit ja einen richtigen Schub bekommen. Plötzlich gibt es festes Shampoo und feste Waschstücke in den Regalen der Drogeriemärkte und alle stürzen sich auf diese sensationelle neue Erfindung.Hier bitte die augenrollende Oma einfügen.

Ja, ich weiß, die neuen Dinger sind ja soooooooooooooooooooo viel besser als Seife. Sind sie doch, zumindest meistens, im angeblich so positiven 'neutralen' pH-Wert. Und ja, ich weiß auch, dass mich alle Dermatologen und die komplette Skincarecommunity auf Instagram für bescheuert halten, weil ich nun mal auf die gute alte ECHTE Seife, also die mit dem bösen hohen pH-Wert, stehe. Lasst mich erkären, warum.

Ich habe 1985 meine Drogistenlehre angefangen. Kleine Drogerie, Sortiment aber im Umfang der Auswahl wie bei Müller zum Beispiel. Bisschen Foto, Putzmittel, Kaffee und ein paar Cremes. Rosazea, das waren damals ältere Herren mit blaurot geäderten Knollennasen vom vielen Bier, Wein und Schnaps. Ekzeme, Neurodermitis usw. ein sehr seltenes Problem. Auch bei meinen Eltern lag immer die gute Fa an Waschbecken und Badewanne. Parallel tauchte dann das erste sogenannte Syndet auf. Ein seifenfreies Waschstück bzw. eine Waschlotion, mit der alle Arztpraxen großzügist gratis geflutet wurden, damit die Ärzte das dann auch ihren Patienten empfehlen.

Seit der Einführung der SLS, Sodium Lauryl Sulfath und Co., eines hocheffizienten Tensids, das auch zur Reinigung von Schiffsrümpfen verwendet wird, häufen sich Hautprobleme. Ich selber kann selbst mit dem Waschstück des Marktführers, das angeblich stark rückfettend ist und natürliche Öle enthält, maximal zweimal meine Hände waschen, bevor ich das Gefühl habe, meine Haut würde aufplatzen. Wenn ich in der Arbeit mit Flüssig'Seife' meine Hände wasche, muss ich sie jedes Mal eincremen. Mit meinen echten Seifen zuhause habe ich vielleicht zweimal am Tag das Bedürfnis nach Creme. Selbst meine Haare lieben Seife. Meine Kopfhaut spinnt gerne und schuppt. Mit normalen Shampoos sowieso, mit Seife etwas weniger. Dafür haben meine Haare nach der Seifenwäsche einen ganz anderen Griff und Stand als mit Shampoo.

Im Uhrzeigersinn: Binu Gesichtsseife Active Charcoal, Sobedo Mandel Haarseife, Sobedo Allesseife Haut und Haar, Alepposeife, Dr.Bronner's Magic Soap 




Das mit dem Minimalismus und der Reduzierung im Bad klappt bei Seifensammlerinnen wie mir leider nicht, ich möchte sie alle haben. Und nehme von Kopf bis Fuß Seifenstücke. Auch für die Private parts, falls jemand sich fragen sollte ;)

Meine Theorie nun, warum sich Hautprobleme manchmal einfach durch Seife lösen lassen (Kernseifenbäder bei offenen Wunden!)? Zum einen bin ich vor Jahren bei der Recherche für die Ecoenvie über einen Artikel gestolpert, nachdem in den 60er Jahren der pH-Wert der Haut noch bei 6,0 und nicht bei 5,5 gelegen haben soll. Was exakt meine Hautwert entspricht, der mal gemessen wurde. Zum anderen entfettet Seife zwar ein bisschen, allerings bremst die sog. Kalkseife die Waschwirkung. Kalkseife fällt aus, weil unser Wasser hart ist, das ist das weiße Zeug, was so unschöne Ränder im Waschbecken gibt. Und bei der Verseifung bleibt in guten Seifen immer Glyzerin zurück, was feuchtigkeitsbindend und rückfettend ist. Zudem werden die natürlichen Fette besser vertragen als die Tenside in Syndets, die allergen wirken können.

Und dann wäre da das Mikrobiom. Auch ein ziemlich gehyptes Thema grade. Darm sowieso, aber auch auf der Haut leben viele nette kleine Mitbewohner und sorgen für uns. Bakterien, Pilze, Milben, denen wollen wir es doch gemütlich machen, damit nix kippt. Dieses Mikrobiom ist nun seit Jahrtausenden an Saponine, Seife, angepasst. Die Verwendung von schäumenden Kräutern kannten die ersten Menschen und die Sumerer entwickelten dann die Vorläufer der Seife aus Asche und Fetten. Was also, wenn unsere kleinen Freunde allergisch auf Tenside jenseits von Seife reagieren? Rosazea hat inzwischen gefühlt jede dritte Kundin, Hautärzte haben Hochkonjunktur, aber leider keinen Plan außer Antibiotika und Cortison. Wenn ich fühle, dass eine Kundin offen ist, gebe ich den Tipp mit Seife gerne weiter und siehe da, es funktioniert.

Ich selbst hatte früher im Winter immer Ekzeme in der Armbeuge. Seit ich mit Seife dusche- vorbei. Meine Rosazea hat sich mit Alepposeife bzw. Dudu Osun schon sehr beruhigt damals, allerdings musste ich auf eine verschreibungspflichtige Salbe zurückgreifen, um sie ganz loszuwerden Post hier. Meine Haut liebt trotz allem Fruchtsäuren, aber eben nicht diese Tenside in den Syndets. Eine weitere spannende Theorie ist, dass tatsächlich im Schweiß gelöste Säuren auf der Haut Reizungen auslsen sollen, die sich natürlich durch eine basische Reinigung besser lösen als durch widerum was Saures. Im Reformhaus gibt es teure basische Duschgels. Da bleibe ich doch bitte beim Original.

Wenn ihr jetzt Bock habt, Seife auch für die Haare zu testen, machen, aber nicht wundern! Beim Umstellen kann es erst mal zu komischen Effekten kommen. Wenn ihr im Blog nach 'Natron' sucht, kommt ihr auf Beiträge wie den hier , wo ich beschreibe, wie sich Haare durch basische Wäsche verändern können. Mal werden sie fettig, es hat ne komische Schicht drauf. Und die Struktur kann sich komplett verändern. Wasche ich mit Shampoo, sind meine Haare glatt, flutschig, platt. Mit Seife: Struktur, Stand am Ansatz und Griff. Super bei feinen Haaren! Ich nehme Seife, die wirklich reichhaltig und für Haare gemacht ist, theoretisch kann man aber auch mit der Aleppo waschen.

Und klar, meine Seifen sind alle Bio. In diesem Sinne, gut Wasch 🙋 und die Erwähnung der Seifenmarken stelt ja irgendwie Werbung dar, ich bekomme aber trotzdem keine Geld dafür ;)















































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